Zeitloses Design bezeichnet Entwürfe, deren Form aus der Funktion entsteht und nicht aus dem Zeitgeschmack.
Skandinavisch, Bauhaus und Mid Century sind Stile. Zeitlosigkeit ist dagegen eine Eigenschaft, die ein einzelner Entwurf hat oder eben nicht, quer über alle Stile hinweg. Woran sich das erkennen lässt, steht hier.
1. Gestaltung
Proportion und Linie ergeben sich aus der Funktion, nicht aus einer Mode.
2. Verarbeitung
Materialien, die mit den Jahren besser werden statt schlechter.
3. Langlebigkeit
Reparierbar, mit Ersatzteilen, oft über Jahrzehnte lieferbar.
4. Werterhalt
Der Preis bleibt stabil oder steigt. Nachvollziehbar im Preisverlauf.
Der Satz, auf den sich fast alles zurückführen lässt, ist über hundert Jahre alt. Gemeint war nie Askese, sondern eine Reihenfolge: Erst steht fest, was ein Gegenstand leisten muss, danach entsteht seine Gestalt.
1896
Der Architekt Louis Sullivan formuliert den Grundsatz, der die Reihenfolge festlegt: erst der Zweck, dann die Gestalt.
1919
In Weimar wird nicht entworfen, um modern auszusehen, sondern um industriell fertigen zu können. Dass es hundert Jahre später noch aktuell wirkt, war Nebeneffekt.
1970er
Dieter Rams begründet den Satz in seinen zehn Thesen nicht ästhetisch, sondern ökonomisch: Ein Gegenstand, der zwanzig Jahre hält, verbraucht weniger als vier, die je fünf halten.
Proportion, Linienführung und Material stimmen im Detail. Deshalb wirken Entwürfe aus den 1930er Jahren heute, als wären sie gerade gezeichnet worden.
Louis Poulsen PH5 Pendelleuchte
Louis Poulsen PH5, 1958
Die Lamellen sind keine Dekoration, sondern Optik. Poul Henningsen hatte die Kurven vorher berechnet. Die Form ist das Ergebnis einer Rechnung, nicht einer Stimmung.
Originalhersteller fertigen nach den Vorgaben des Designers, häufig in Handarbeit, mit Materialien, die im Lauf der Jahre besser werden.
&Tradition Little Petra VB1
&Tradition Little Petra VB1, 1938
Leder und Wolle werden weicher und nehmen die Form dessen an, der darin sitzt. Ein Kunstlederbezug tut das nicht. Er reißt an den Kanten.
Drei Fragen vor dem Kauf: Passt das Stück auch bei anderer Wandfarbe? Gibt es Ersatzteile? Lässt es sich reparieren statt ersetzen?
String Regal
String Regal, 1949
Böden lassen sich nach Jahren umhängen, ergänzen, neu kombinieren. Kein fertiges Möbel, sondern ein System, das mit der Wohnung mitwächst.
Designklassiker verlieren im Normalfall nicht an Wert, viele legen zu. Das unterscheidet sie von fast jedem anderen Einrichtungsgegenstand.
Ein Nachbau hat auf dem Gebrauchtmarkt praktisch keinen Wert, weil ihn niemand sucht. Ein Renditeversprechen ist das trotzdem nicht.
Koray Önal
Head of UX-Design, KDM
Ein häufiges Missverständnis: Zeitloses Design wird mit skandinavischem Design gleichgesetzt, gelegentlich auch mit Bauhaus oder Mid Century Modern.
Das trifft nicht zu. Diese drei Begriffe beschreiben Stilrichtungen mit klarer Entstehungszeit und erkennbarer Formensprache. Zeitlosigkeit dagegen ist eine Eigenschaft einzelner Entwürfe. Sie kommt in jedem dieser Stile vor, aber längst nicht bei jedem Stück daraus.
Die <a href="/bauhaus/lampe/kaiser-idell-6631-t/">Kaiser Idell</a> von Christian Dell, 1931 entstanden und heute von Fritz Hansen gefertigt, ist ein Bauhaus Entwurf und zugleich zeitlos. Andere Leuchten derselben Epoche sind es nicht, weil ihre Form stärker vom Zeitgeschmack als von der Funktion getragen wurde. Der Stil sagt also nichts darüber aus, ob ein Stück die nächsten dreißig Jahre übersteht.
Umgekehrt entstehen zeitlose Entwürfe bis heute. Der Form Chair von Simon Legald für Normann Copenhagen ist keine zwanzig Jahre alt und folgt demselben Prinzip: eine Sitzschale, ein Gestell, keine Verkleidung der Verbindung. Ob er in vierzig Jahren als Klassiker gilt, entscheidet sich erst. Die Voraussetzungen bringt er mit.
Drei Fragen trennen das eine vom anderen zuverlässig. Sie funktionieren im Laden genauso wie vor dem Bildschirm.
Zeitloser Entwurf: Nein, ohne Kenntnis der Geschichte gelingt das niemandem.
Trendmöbel: Ja, meist auf zwei bis drei Jahre genau, weil er eine Mode zitiert.
Zeitloser Entwurf: Ja. Der Entwurf hat seine Prüfung bestanden.
Trendmöbel: Nein, er wird ständig angepasst, sonst wirkt er abgestanden.
Zeitloser Entwurf: Ja, mit Fertigungsvorgaben, Materialqualität und Ersatzteilen.
Trendmöbel: Nein. Dahinter steht ein Preis, sonst nichts.
Zeitlos zeigt sich daran, dass ein Stück nach Jahren nicht mehr auffällt und trotzdem nicht fehlen darf. Zu jedem Entwurf führen wir den dokumentierten Preisverlauf.
Der Aufbau selbst ist unkompliziert. Das System ist leicht, die Logik intuitiv. Die einzige Stelle, an der man wirklich genau arbeiten muss: das Dübeln. Die Leitern müssen spannungsfrei an der Wand sitzen. Wer hier ungenau arbeitet, merkt es sofort. Also: Wasserwaage, Abstand nachmessen, erst dann bohren. Eine Stunde für ein kleines Pocket, zwei bis drei für ein vollständiges System. Zu zweit angenehmer.
Eine durchgestylte Einrichtung altert schneller als jedes Einzelstück darin, weil sie als Ensemble datierbar wird.
Nachbauten sehen auf Produktfotos oft identisch aus. Materialstärke, Kantenverarbeitung und Gewicht zeigt kein Bild.
Ohne autorisierten Vertrieb gibt es weder Herstellergarantie noch Ersatzteile und im Zweifel keinen Ansprechpartner.
Er wird selten zur Übergangslösung. Meist steht er zehn Jahre später noch da, und das Original wurde nie gekauft.
Auf KDM stellen wir ausgewählte Designklassiker detailliert vor, zeigen ihre Geschichte, Designer und besonderen Merkmale und helfen dir dabei, originale Möbelstücke bei ausgewählten Designshops zu entdecken.