Alvar Aalto Porträt, finnischer Architekt und Designer

Alvar Aalto

Der Finne, der das Holz zum Biegen brachte

Alvar Aalto war Architekt, und alles andere folgte daraus. Möbel, Leuchten und Glas entwarf er, weil seine Bauten sie brauchten. Aus dieser Haltung entstand 1933 das gebogene L-Bein und 1936 die Vase, die heute in fast jedem skandinavisch eingerichteten Wohnzimmer steht.

Kurzprofil

Geboren
3. Februar 1898 (Kuortane, Finnland)
Gestorben
11. Mai 1976 (Helsinki)
Schwerpunkt
Architektur, Möbel, Glas, Leuchten
Bekannt für
Aalto Vase, Hocker 60, Paimio Sessel 41
Hersteller
Artek und Iittala
Stil
Nordische Moderne, organischer Funktionalismus
Besonderheit
Möbel als Teil der Architektur gedacht

Alvar Aalto

Der Finne, der das Holz zum Biegen brachte

Alvar Aalto Porträt, finnischer Architekt und Designer

Alvar Aalto war Architekt, und alles andere folgte daraus. Möbel, Leuchten und Glas entwarf er, weil seine Bauten sie brauchten. Aus dieser Haltung entstand 1933 das gebogene L-Bein und 1936 die Vase, die heute in fast jedem skandinavisch eingerichteten Wohnzimmer steht.

Kurzprofil

Geboren
3. Februar 1898 (Kuortane, Finnland)
Gestorben
11. Mai 1976 (Helsinki)
Schwerpunkt
Architektur, Möbel, Glas, Leuchten
Bekannt für
Aalto Vase, Hocker 60, Paimio Sessel 41
Hersteller
Artek und Iittala
Stil
Nordische Moderne, organischer Funktionalismus
Besonderheit
Möbel als Teil der Architektur gedacht
Preise prüfen

Alvar Aalto

Vita & Designphilosophie

Vom Sanatorium zum Sessel

1929 gewann Aalto den Wettbewerb für ein Tuberkulose-Sanatorium in Paimio. Er baute nicht nur das Haus, er entwarf auch die Einrichtung. Der Sessel 41 von 1932 hat eine Sitzschale aus formgepresstem Birkensperrholz, die nur an vier Punkten befestigt ist und dadurch federt. Der Winkel der Rückenlehne sollte den Patienten das Atmen erleichtern. Ein Möbel, das aus einer medizinischen Aufgabe entstand und heute in Museen steht.

Alvar Aalto Vase mit hellem Blumenstrauß neben gerahmtem Bild
Iittala Alvar Aalto Vase in Klarglas mit Eukalyptuszweigen am Fenster

Das L-Bein, die kleine Schwester der Säule

Die eigentliche Erfindung ist unscheinbar. Gemeinsam mit dem Möbelfabrikanten Otto Korhonen entwickelte Aalto ein Verfahren, um Massivholz um 90 Grad zu biegen: Sägeschnitte ins Holzende, Leim und Furnierstreifen hinein, dann mit Wärme und Wasser in Form bringen. Damit ließen sich Bein und Sitzfläche ohne klassische Tischlerverbindung verbinden. Aalto nannte das L-Bein die kleine Schwester der architektonischen Säule. Patentiert 1933, seither ununterbrochen in Produktion und Grundlage von über fünfzig Möbeln.

Eine Vase, benannt nach einem Restaurant

1936 schrieb die Glashütte Karhula-Iittala einen Wettbewerb aus. Aalto reichte seinen Entwurf unter dem Decknamen Eskimoerindens skinnbuxa ein, auf Deutsch die Lederhose der Eskimofrau. Die erste Serie entstand für die Pariser Weltausstellung 1937. Ihren geläufigen Namen bekam die Vase vom Restaurant Savoy in Helsinki, das Alvar und Aino Aalto einrichteten und in dem sie seit 1937 auf den Tischen steht. Ob die Form finnische Seen zeigt, eine Pfütze oder schlicht die abstrakte Malerei ihrer Zeit, ist bis heute unentschieden. Belegt ist nur der Wettbewerbsname.

Alvar Aalto Vase mit üppigem Strauß weißer Blüten

Aalto war der letzte Mensch auf dem finnischen 50-Markka-Schein. Die Serie von 1986 zeigte sein Porträt, bis der Euro kam. Ein Möbelgestalter im Portemonnaie einer ganzen Nation. Dazu passt: aalto heißt auf Finnisch schlicht Welle.

Passende Bücher

Bibliotheca Universalis
Design des 20. Jahrhunderts

Buchcover Design des 20. Jahrhunderts von Charlotte und Peter Fiell, Taschen

1000 Chairs. Revised and updated edition

Buchcover 1000 Chairs von Charlotte und Peter Fiell, Taschen

Alvar Aalto in Jahren

1898
Geboren am 3. Februar in Kuortane.
1921
Abschluss als Architekt in Helsinki, erstes eigenes Büro in Jyväskylä.
1932
Der Sessel 41 entsteht für das Sanatorium Paimio.
1933
Patent auf das L-Bein. Der Hocker 60 wird im November in London gezeigt.
1935
Gründung von Artek mit Aino Aalto, Maire Gullichsen und Nils-Gustav Hahl.
1937
Erste Serie der Vase für die Pariser Weltausstellung, Einrichtung des Restaurants Savoy.
1938
Einzelausstellung im MoMA in New York.
1976
Gestorben am 11. Mai in Helsinki.

Die Vase, die seit 1937 auf denselben Tischen steht

Mundgeblasen bei Iittala, in Holzformen, die beim Blasen langsam verbrennen. Jede Vase ist deshalb ein Einzelstück mit kleinen Unregelmäßigkeiten. Wie sich der Preis über die Jahre entwickelt hat, zeigt unsere Preishistorie.

Häufige Fragen zu: Alvar Aalto

Weil sie seit 1937 im Restaurant Savoy in Helsinki steht, dessen Innenräume Alvar und Aino Aalto gestalteten. Der Entwurf selbst ist ein Jahr älter und entstand für einen Wettbewerb der Glashütte Karhula-Iittala.

Belegt ist das nicht. Aalto reichte den Entwurf 1936 unter dem Decknamen Lederhose der Eskimofrau ein, mehr gibt die Quellenlage nicht her. Die Deutungen mit Seen, Baumquerschnitten oder Pfützen sind später entstanden. Schön erzählt, aber eben Erzählung.

Bei Iittala in Finnland, mundgeblasen in Holzformen. Von 1937 bis 1949 lief die Fertigung unter dem Namen Karhula-Iittala, seither unter Iittala.

Das gebogene Massivholzbein. Vor Aalto brauchte die Verbindung von Bein und Sitzfläche eine Tischlerverbindung, sein L-Bein macht daraus ein Bauteil. Der Hocker ist seit 1933 ohne Unterbrechung in Produktion, das schaffen nicht viele Möbel.

Weitere Werke von Alvar Aalto

Ähnliche Designer

Die Eames arbeiteten wenige Jahre nach Aalto mit formgepresstem Schichtholz und dachten dabei in derselben Linie: Material, Serienfertigung und Körperform gehören zusammen. Wer Aaltos Paimio mag, versteht den Lounge Chair sofort.

Zur Designerseite

Dieselbe Aufgabe, zwei Materialhaltungen. Breuer löste den freischwingenden Sitz in Stahlrohr, Aalto in Holz. Metallmöbeln stand Aalto zeitlebens skeptisch gegenüber, er fand sie zu kalt fürs Wohnen.

Zur Designerseite