Der Finne, der das Holz zum Biegen brachte
Alvar Aalto war Architekt, und alles andere folgte daraus. Möbel, Leuchten und Glas entwarf er, weil seine Bauten sie brauchten. Aus dieser Haltung entstand 1933 das gebogene L-Bein und 1936 die Vase, die heute in fast jedem skandinavisch eingerichteten Wohnzimmer steht.
Der Finne, der das Holz zum Biegen brachte
Alvar Aalto war Architekt, und alles andere folgte daraus. Möbel, Leuchten und Glas entwarf er, weil seine Bauten sie brauchten. Aus dieser Haltung entstand 1933 das gebogene L-Bein und 1936 die Vase, die heute in fast jedem skandinavisch eingerichteten Wohnzimmer steht.
1929 gewann Aalto den Wettbewerb für ein Tuberkulose-Sanatorium in Paimio. Er baute nicht nur das Haus, er entwarf auch die Einrichtung. Der Sessel 41 von 1932 hat eine Sitzschale aus formgepresstem Birkensperrholz, die nur an vier Punkten befestigt ist und dadurch federt. Der Winkel der Rückenlehne sollte den Patienten das Atmen erleichtern. Ein Möbel, das aus einer medizinischen Aufgabe entstand und heute in Museen steht.
Die eigentliche Erfindung ist unscheinbar. Gemeinsam mit dem Möbelfabrikanten Otto Korhonen entwickelte Aalto ein Verfahren, um Massivholz um 90 Grad zu biegen: Sägeschnitte ins Holzende, Leim und Furnierstreifen hinein, dann mit Wärme und Wasser in Form bringen. Damit ließen sich Bein und Sitzfläche ohne klassische Tischlerverbindung verbinden. Aalto nannte das L-Bein die kleine Schwester der architektonischen Säule. Patentiert 1933, seither ununterbrochen in Produktion und Grundlage von über fünfzig Möbeln.
1936 schrieb die Glashütte Karhula-Iittala einen Wettbewerb aus. Aalto reichte seinen Entwurf unter dem Decknamen Eskimoerindens skinnbuxa ein, auf Deutsch die Lederhose der Eskimofrau. Die erste Serie entstand für die Pariser Weltausstellung 1937. Ihren geläufigen Namen bekam die Vase vom Restaurant Savoy in Helsinki, das Alvar und Aino Aalto einrichteten und in dem sie seit 1937 auf den Tischen steht. Ob die Form finnische Seen zeigt, eine Pfütze oder schlicht die abstrakte Malerei ihrer Zeit, ist bis heute unentschieden. Belegt ist nur der Wettbewerbsname.
Aalto war der letzte Mensch auf dem finnischen 50-Markka-Schein. Die Serie von 1986 zeigte sein Porträt, bis der Euro kam. Ein Möbelgestalter im Portemonnaie einer ganzen Nation. Dazu passt: aalto heißt auf Finnisch schlicht Welle.
Mundgeblasen bei Iittala, in Holzformen, die beim Blasen langsam verbrennen. Jede Vase ist deshalb ein Einzelstück mit kleinen Unregelmäßigkeiten. Wie sich der Preis über die Jahre entwickelt hat, zeigt unsere Preishistorie.