Kaum eine Leuchte taucht gerade so oft in Feeds und Wohnungen auf wie die Flowerpot. Zwei Halbkugeln, klare Farbe, ein Licht, das den Raum sofort wärmer macht. Was viele für einen frischen Trend halten, ist in Wahrheit ein Entwurf von 1968. Verner Panton hat die Flowerpot mitten in der Blumenkind-Ära gezeichnet, und 2026, zu seinem 100. Geburtstag, sieht sie aus, als wäre sie für genau dieses Jahr gemacht.
Bei uns hängt die kleine Pendel-Flowerpot über der Küche, in mattem Schwarz. Ehrlich gesagt würden wir heute eine Nummer größer wählen, dazu später mehr. Genau darum geht es in diesem Beitrag: woran ihr ein echtes Original erkennt, welche Größe an welchen Platz passt, was es mit den neuen Panton-Farben 2026 auf sich hat, und warum ein Original langfristig die klügere Wahl ist als ein Nachbau.
Die Flowerpot besteht aus zwei aufeinander gerichteten Halbkugeln. Die obere hat exakt den doppelten Durchmesser der unteren, ein simples Verhältnis, das die ganze Form ruhig und stimmig wirken lässt. Panton ging es nie um Effekt, sondern um Haltung: reduzierte Geometrie, klare Farbe, warmes Licht. Das ist Gestaltung, die nicht altert. Ein Entwurf aus den späten Sechzigern, der heute zwischen Eiche, Naturtönen und Mid-Century-Möbeln so selbstverständlich steht wie damals.
Ein Punkt, den die meisten Magazine überspringen, aber für das Thema Original wichtig ist: die Produktionsgeschichte. Panton zeichnete die Flowerpot 1968, gefertigt wurde sie zunächst bei Louis Poulsen. Zwischen 2008 und 2011 lag die Lizenz bei Unique Interior, seit 2011 produziert &Tradition aus Kopenhagen die Flowerpot, gemeinsam mit der Verner Panton Design AG. Wenn heute also vom Original die Rede ist, ist die aktuelle Flowerpot von &Tradition gemeint, autorisiert und nach Pantons Vorgaben gefertigt. Alles andere ist Nachbau.
Die Flowerpot wird massiv kopiert, von Temu über AliExpress bis zu Amazon-Marktplatzhändlern. Ein dokumentierter Replica-Verkauf lag bei rund 87 Euro, eine echte kleine Pendel-Flowerpot startet beim autorisierten Händler bei etwa 168 bis 189 Euro im Angebot. Daraus ergibt sich die einfachste Faustregel: Wird eine "Flowerpot" für einen Bruchteil dieses Preises angeboten, oder taucht sie mit Worten wie "replica", "dupe" oder "inspired by" auf, ist es sicher kein Original.
Herkunft und Händler
Die ehrlichste Echtheitsgarantie ist der autorisierte Kauf. &Tradition listet seine Partner selbst, im deutschsprachigen Raum gehören dazu unter anderem Nordic Nest, Lampenmeister, Connox, AmbienteDirect und smow. Eine offizielle Rechnung eines autorisierten Händlers ist euer Echtheitsnachweis und eure Absicherung.
Material und Verarbeitung
Das Original besteht aus tiefgezogenem, pulverbeschichtetem Stahl mit einem gleichmäßigen, sauberen Lack. Nachbauten wirken oft leichter, der Lack dünner, die Kanten und Übergänge weniger präzise.
Sicherheit, gerade bei der Akku-Version
Die kabellose VP9 enthält einen Akku und ein Ladesystem. Originale durchlaufen die vorgeschriebenen Sicherheitsprüfungen, billige Kopien nicht. Bei einem stromführenden Produkt mit Akku ist das kein Detail, sondern ein echtes Risiko.
Realistische Erwartung
Es gibt für die Flowerpot kein Hologramm und keine Seriennummer zum Abgleich. Echtheit entscheidet sich also über Händler und Rechnung, nicht über einen Aufkleber. Wer das verspricht, verkauft euch eine Geschichte.
Ein Original ist kein Impulskauf, sondern eine bewusste Entscheidung. Selten kaufen, dafür richtig.
Die Flowerpot gibt es als Pendel-, Tisch-, Wand-, Steh- und Akku-Leuchte. Die Modellnummern klingen kryptisch, die Auswahl ist aber einfach, wenn ihr vom Platz her denkt: erst der Ort, dann die Größe.
Mit rund 16 cm Schirm das kleinste Modell. Einzeln fast zu zierlich, in der Dreier- oder Fünfergruppe oder über einer schmalen Theke spielt es seine Stärke voll aus.
Schirm 23 cm, Höhe 16 cm. Die klassische kleine Pendel, die die meisten meinen, wenn sie Flowerpot sagen. Bei uns hängt sie über der Küche. Perfekt einzeln über einer Nische oder im Set. Über einer großen Insel oder dem Esstisch darf es ruhig eine Nummer größer sein.
Schirm rund 37 cm. Groß genug, um über Tisch oder Insel präsent zu sein, ohne den Raum zu dominieren. Die richtige Wahl, wenn euch die VP1 zu klein und die VP2 zu wuchtig ist.
Schirm 50 cm, Höhe 36 cm. Die große Pendel für den großen Auftritt. Über einem Esstisch oder einer breiten Insel wird sie zum Mittelpunkt des Raums.
Schirm 23 cm, Höhe 50 cm. Schlank und präsent, schön auf Sideboard, Kommode oder Konsole, wo sie auf Augenhöhe wirken darf.
Schirm 23 cm, Höhe 36 cm. Die niedrigere Schwester der VP3. Passt auf Nachttisch, Schreibtisch oder als warmes Punktlicht ins Regal.
Schirm 23 cm. Das Flowerpot-Licht an der Wand, etwa neben dem Bett, im Flur oder als Leselicht, wo kein Platz für eine Tisch- oder Pendelleuchte ist.
Schirm 16 cm, Höhe knapp 30 cm. Kabellos, warmweiß, in drei Stufen dimmbar, magnetisches Ladekabel dabei. Die flexible Variante für Balkon, Esstisch oder als Geschenk.
Höhe 122 cm. Bringt das Flowerpot-Licht frei in den Raum, neben Sessel, Sofa oder in die Leseecke, ganz ohne Tisch oder Decke.
über der Kücheninsel haben wir zur kleinen VP1 gegriffen, und im Nachhinein hätte es ruhig eine Nummer größer sein dürfen. Die VP1 ist wunderschön, über einer größeren Fläche oder einem Esstisch wirkt sie aber schnell zu zurückhaltend. Faustregel aus eigener Erfahrung: über Esstisch oder Insel lieber zur VP7 oder VP2 greifen, die kleine VP1 spielt ihre Stärke eher einzeln über einer Nische, einem Beistellplatz oder in der Dreiergruppe aus.
Head of UX-Design, KDM
2026 ist ein besonderes Jahr für diesen Entwurf. Verner Panton wäre 100 Jahre alt geworden, und &Tradition feiert das mit zwei realen Neuheiten, die gerade frisch sind. Seit dem 15. März 2026 gibt es drei Farben, die an Pantons originale Flowerpot-Palette der Siebziger angelehnt sind: Steel Blue, Ivory und Zesty Orange. Ein kleiner, aber wichtiger Hinweis fürs Aussuchen: Ivory und Zesty Orange gibt es für die Pendel-, Tisch- und Portable-Modelle, Steel Blue zusätzlich auch für Wand- und Stehleuchte.Dazu kommt seit dem 18. Juni 2026 die limitierte Anniversary Edition "Pewter", eine VP1-Pendel aus unbehandeltem Edelstahl. Die Oberfläche ist durch ein doppeltes Stone-Tumbling fein gesprenkelt, Verner Pantons Signatur ist auf der Unterseite des oberen Schirms eingraviert, und die Leuchte kommt komplett ohne Klebstoff aus, lässt sich also zerlegen und reparieren. Genau diese Bauweise ist gelebte Langlebigkeit, ein Stück, das man pflegen und nicht entsorgen muss.Wer also ohnehin mit der Flowerpot liebäugelt, hat 2026 einen besonders schönen Anlass und mit den Originalfarben eine Verbindung direkt zu Pantons eigener Handschrift.
Wer nach dieser Seite noch tiefer eintauchen möchte, dem legen wir ein Buch ans Herz, das wir selbst immer wieder zur Hand nehmen: „Louis Poulsen. First House of Light", erschienen 2024 bei Phaidon. Auf 304 großformatigen Seiten mit rund 300 Abbildungen erzählt Autor TF Chan die ganze Geschichte des dänischen Leuchtenherstellers, von den Anfängen über die legendäre Zusammenarbeit mit Poul Henningsen bis zu den Entwürfen von heute.
Gerade wenn man verstanden hat, woran man eine echte PH5 erkennt, macht dieses Buch den Unterschied noch einmal greifbarer. Man sieht die Skizzen, die Werkstätten, die Menschen hinter den Leuchten und begreift, warum ein mehrschichtiges Schirmsystem aus Kopenhagen eben nicht das Gleiche ist wie eine Kopie aus dem Netz. Das Buch ist auf Englisch, die Bildsprache trägt aber auch ohne jedes Wort.
Ein schöner Nebeneffekt: Als gebundene Phaidon-Ausgabe ist es selbst ein Stück, das man behält. Auf dem Couchtisch neben der PH5 schließt sich der Kreis.
Auf KDM stellen wir ausgewählte Designklassiker detailliert vor, zeigen ihre Geschichte, Designer und besonderen Merkmale und helfen dir dabei, originale Möbelstücke bei ausgewählten Designshops zu entdecken.